Sexualisierte Gewalt

Im YCM hat es einen sehr schwerwiegenden Vorfall sexualisierter Gewalt gegeben, der sich über mehrere Jahre erstreckte. Ein ehemaliges Vereinsmitglied, das seit seiner Kindheit im Verein aufgewachsen war und bei uns das Segeln gelernt hatte, wurde wegen dieser Vorfälle vom Landgericht Hamburg verurteilt. Durch seine lange Vereinszugehörigkeit war er im Verein ein eng eingebundener Trainer und vielen Mitgliedern seit Jahren bekannt. Die Revision gegen das Urteil wurde im März 2026 vom Bundesgerichtshof abgelehnt, sodass das Urteil rechtskräftig ist. Wir möchten über die Hintergründe und den Ablauf der Ereignisse informieren, da dieser Fall unser Vereinsleben tief erschüttert und das Wohlergehen unserer Mitglieder in besonderem Maße betroffen hat.

Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass diese Darstellung eine vorläufige Zusammenfassung auf Grundlage des derzeit bekannten Stands ist. Sie wurde noch nicht abschließend im Rahmen der externen Aufarbeitung geprüft. Im weiteren Verlauf können sich noch Ergänzungen oder Änderungen ergeben.

Im Herbst 2022 kam es auf einem Opti-Trainingslager in Borgwedel, an dem unser damaliger Trainer als Betreuer für Optikinder teilnahm, zu Beobachtungen grenzüberschreitenden Verhaltens gegenüber Kindern. Trainer des SVSH wiesen den damaligen Trainer daraufhin an, das Trainingslager zu verlassen. Eine schriftliche Notiz über den Vorfall wurde erstellt und über die Verbände weitergeleitet.

Diese Notiz über ein Nähe-Distanz-Problem gelangte leider erst Anfang 2023 zur Hamburger Sportjugend (HSJ) im Hamburger Sportbund (HSB). Kurz darauf wurde auch der Vorstand des SVAOe (Segel-Verein Altona Oevelgönne) über den Vorfall informiert und der YCM in Kenntnis gesetzt. In der Folge suspendierte der SVAOe den damaligen Trainer wegen grenzüberschreitenden Verhaltens gegenüber Kindern. Es fanden Gespräche und Anhörungen mit Beteiligung von Verantwortlichen beider Vereine statt. Wenig später erreichte den YCM über den HSB die dringende Empfehlung, den damaligen Trainer nicht weiter im Umgang mit Kindern einzusetzen und ihn nicht auf Vereinsausfahrten mitzunehmen. Der damalige Vorstand konfrontierte den Trainer daraufhin mit den vorliegenden Informationen zu seinem Verhalten. Trotz dieser Empfehlung und der Konfrontation entschied der damalige Vorstand, den Trainer unter verschärften Auflagen als Betreuer auf die Robinson-Sommertour 2023 mitzunehmen. Diese Entscheidung war eine Fehlentscheidung — sie ist ein zentraler Gegenstand der laufenden externen Aufarbeitung.

Im Januar 2024 berichtete ein betroffenes YCM-Mitglied in einem persönlichen Gespräch mit dem Vorstand von langjährigem sexuellem Missbrauch durch den damaligen Trainer. Daraufhin wurde der Trainer umgehend von allen Vereinsaktivitäten freigestellt und kurz darauf mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausgeschlossen. Über diesen Ausschluss wurden die zuständigen Trainer und später auch die Eltern jugendlicher Mitglieder sowie die weiteren Mitglieder informiert. Zugleich wurden alle Mitglieder gebeten, mögliche weitere Vorfälle zu melden.

Anfang 2025 wurde der YCM darüber informiert, dass die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Trainer wegen sexualisierter Gewalt Anklage erhoben hatte. Das Verfahren betraf Taten an minderjährigen männlichen Vereinsmitgliedern aus dem Zeitraum 2015 bis 2023.

Zum Tatzeitpunkt waren die Betroffenen zwischen 10 und 14 Jahren alt — Jungen, die die Pubertät noch nicht erreicht hatten. Wie die Urteilsbegründung zeigt, nutzte der Täter ihre Verletzlichkeit gezielt aus. Durch sogenanntes Grooming — ein systematisches Anbahnungsverhalten — gelang es ihm, nicht nur das Vertrauen der Kinder selbst zu gewinnen, sondern auch das ihrer Eltern, anderer Trainer und des gesamten Vereinsumfeldes — wodurch sein übergriffiges Verhalten über lange Zeit verborgen blieb.

Das Landgericht Hamburg befand ihn in 10 Fällen für schuldig, darunter schwerer sexueller Missbrauch von Kindern sowie sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen. Darüber hinaus wurde er zur Zahlung von Schmerzensgeld an die Betroffenen verpflichtet. Die verhängte Gesamtfreiheitsstrafe beträgt 4 Jahre und 6 Monate.

Nach der Verkündung des Urteils wurde ein externer Aufarbeitungsprozess durch eine Fachanwältin mit langjähriger Erfahrung im Opferschutz und in der Beratung Betroffener sexualisierter Gewalt beauftragt. Ziel der Aufarbeitung ist eine unabhängige Betrachtung der Entscheidungen im Verein mit Ziel Maßnahmen abzuleiten, um die Prävention in der Zukunft zu stärken.

Durch vorgezogene Neuwahlen im Januar 2026 traten die damaligen Vorsitzenden und das bisherige PSG-Team (Vereinsbeauftrage zur Prävention sexualisierter Gewalt) zurück. Ein neues Vorstands- und PSG-Team hat nun die Aufarbeitung übernommen.

Wir legen großen Wert auf Prävention, Kinderschutz und die sorgfältige Bearbeitung von Hinweisen. Der externe Aufarbeitungsprozess wird uns dabei unterstützen, die Ursachen und Entscheidungswege klar zu verstehen und daraus konkrete Verbesserungen für unseren Verein abzuleiten. Gemeinsam mit den zuständigen Fachstellen, dem HSB und dem DSV werden wir unsere internen Abläufe und Schutzkonzepte überprüfen und weiterentwickeln.

Der YCM hat sich durch die Vorfälle tief betroffen gezeigt. Wir nehmen die Verantwortung für unsere Mitglieder ernst und wollen mit dieser Aufarbeitung einen klaren Weg für die Zukunft gestalten. Sobald die externe Aufarbeitung abgeschlossen ist, werden wir über die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Maßnahmen informieren. Den dafür notwendigen Dialog planen wir für den Spätsommer 2026.


Freundliche Grüße

Vereinsvorsitzende des Yachtclub Meridian e.V.

Kontaktinformationen

Steganlage Alsterufer 2, 20354 Hamburg
info@ycm-hamburg.de